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Aus der Kirchenregion - Besinnung in speziellen Zeiten

Singt! – Warum eigentlich nicht?!

Singen ist die schönste Art der Kommunikation  –darüber lässt sich diskutieren – , zumindest ist es eine sehr schöne und wohltuende, wenn auch nicht immer wohl klingende Art, sich auszudrücken.

In den letzten Wochen, wo sich Menschen weder zu Chorproben, Konzerten noch zu Gottesdiensten versammeln konnten, haben sich neue Formen des gemeinsamen Singens entwickelt, und dabei wurde gemerkt, wie ansteckend das Singen sein kann.

Wenn von Balkonen aus gemeinsam musiziert und gesungen wurde oder wenn sich mit Hilfe der digitalen Möglichkeiten Menschen zusammengefunden haben, um gemeinsam ein Lied anzustimmen, konnten sangesfreudige wie auch zuhörende Menschen erleben, wie wohltuend das Singen sein kann.

Es gibt Menschen, die haben immer ein frohes Lied auf den Lippen. Sie singen gerne: bei der Gartenarbeit, beim Autofahren, in der Badewanne oder wenn sie durch einen dunklen Wald gehen. Singen erfrischt, ja macht manchmal sogar mutig und kann aufmuntern.

Vor allem ältere Menschen, die als Schülerinnen und Schüler noch viele Lieder auswendig lernen mussen,  haben mir schon öfters erzählt, wie ihnen das Singen geholfen hat, um über den Verlust des Ehepartners oder eines Kindes hinwegzukommen oder um das Alleinsein nicht so intensiv zu spüren.

Vieles wird im Singen ausgedrückt, Gefühle wie Trauer, Frieden, Melancholie, Hoffnung aber auch Freude werden ausgesprochen und das von Geburt an. Mit viel Bewegtheit und Freude entdecken schon die Säuglinge die Möglichkeiten ihrer eigenen Stimme. Auf Schreien und Lala-Laute folgen Singversuche, und wer dieses Babysingen schon beobachtet hat, der hat vielleicht auch den vergnügten Gesichtsausdruck der Kleinkinder vor Augen während sie ihr Wohlfühllied lallen.

Der nächste Sonntag im Kirchenjahr trägt in Anlehnung an den Psalm 98 den Namen „Cantate“ –  zu Deutsch „Singt!“

Die Bibel fordert uns zum Singen auf: Mit dem Gesang loben wir Gott. Viele kennen Mirjam, die nach dem Auszug aus Ägypten gemeinsam mit anderen Frauen ein Lied anstimmte: „Lasst uns den Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan…“. Der König David wusste schon als Kind seine musikalische Gabe einzusetzen. Sein Harfenspiel war die beste Medizin gegen die depressiven Zustände des Königs Saul, zu dem er gerufen wurde.

Am eindrücklichsten – und wohl auch am bekanntesten – sind vermutlich in der Bibel die Psalmen, dieses grosse Gebets- und Gesangbuch des Volkes Israels. Auch heute gehören etliche Psalmen zum Allgemeingut der singenden und betenden Gemeinde, nicht zuletzt, weil menschliche Bedürfnisse darin besonders deutlich zum Ausdruck kommen. Ganz anschaulich werden dort Hilflosigkeit, Bedrängnisse, Ängste, aber auch Freude zur Sprache gebracht. Es wird Gott gedankt und um Hilfe in der Not gebeten. In manchen der 150 Psalmen finden auch diejenige ihr Anliegen beim Namen genannt, die selber sprachlos geworden sind oder Mühe haben, ihre Herzensangelegenheiten in Worte zu fassen.

Das Singen und Beten der Psalmen (im reformierten Gesangbuch stehen sie am Anfang) kann etwas bewirken, das sich mit Worten allein nicht erreichen lässt, weil Singen aufatmen lässt, befreit und neue Hoffnungen wecken kann.

Wie sehr sich Gemeinschaft erfahren lässt, wenn miteinander gesungen wird, erlebt die singende Gottesdienstgemeinde auch heute noch. Unsere Kirchengesangbücher bieten viele Möglichkeiten. Sie laden zu einer Entdeckungsreise ein..

Im Kolosserbrief steht zum Leben als Gemeinde: „Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum unter euch. Lehrt und ermahnt euch in aller Weisheit, singt Gott, von der Gnade erfüllt, in euren Herzen Psalmen, Loblieder und geistliche Lieder!“

Augenblicklich können wir nicht im Gottesdienst zum Lob Gottes und zu unserem Trost und unserer Freude gemeinsam singen. Doch das soll uns nicht daran hindern, beim Videogottesdienst mitzusingen oder auch allein im stillen Kämmerlein das Gesangbuch aufzuschlagen und zu singen. Wir haben reichhaltige Auswahl: „Ich singe dir mit Herz und Mund“, „Nun danket alle Gott“, „In dir ist Freude“, “Geh aus mein Herz und suche Freud“ oder auch „Sollt ich meinem Gott nicht singen?“ …

Wilma Finze-Michaelsen, Pfarrerin in Landquart

 

 

Sollt ich meinem Gott nicht singen?

Sollt ich ihm nicht dankbar sein?

Denn ich seh in allen Dingen,

wie so gut er's mit mir mein.

Ist doch nichts als lauter Lieben,

 das sein treues Herze bewegt,

 das ohn Ende hebt und trägt,

 die in seinem Dienst sich üben.

 Alles Ding währt seine Zeit,

 Gottes Lieb in Ewigkeit.

 

Wie ein Adler sein Gefieder

über seine immer wieder

mich des Höchsten Arm bedeckt,

alsobald im Mutterleibe,

da er mir mein Wesen gab

und das Leben, das ich hab

und noch diese Stunde treibe.

Alles Ding währt seine Zeit,

Gottes Lieb in Ewigkeit.

 

Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer,

nein, er gibt ihn für mich hin,

dass er mich vom ewgen Feuer

durch sein teures Blut gewinn.

O du unergründter Brunnen,

wie will doch mein schwacher Geist,

ob er sich gleich hoch befleißt,

deine Tief ergründen können?

Alles Ding währt seine Zeit,

Gottes Lieb in Ewigkeit.

 

Seinen Geist, den edlen Führer,

gibt er mir in seinem Wort,

dass er werde mein Regierer

durch die Welt zur Himmelspfort;

dass er mir mein Herz erfülle

mit dem hellen Glaubenslicht,

das des Todes Macht zerbricht

und die Hölle selbst macht stille.

Alles Ding währt seine Zeit,

Gottes Lieb in Ewigkeit.

 

Meiner Seele Wohlergehen

hat er ja wohl recht bedacht;

will dem Leibe Not entstehen,

nimmt er's gleichfalls wohl in acht.

Wenn mein Können, mein Vermögen

nichts vermag, nichts helfen kann,

kommt mein Gott und hebt mir an

sein Vermögen beizulegen.

Alles Ding währt seine Zeit,

Gottes Lieb in Ewigkeit.

(Evangelisch-reformiertes Gesangbuch 724)